Siemens Healthineers und NVIDIA wollen die Planung und Durchführung personalisierter Strahlentherapien mit künstlicher Intelligenz weiterentwickeln. Die am 21. Oktober in Berlin vorgestellte Zusammenarbeit verbindet KI zur Unterstützung klinischer Entscheidungen mit patientenspezifischen Simulationen und der Verarbeitung von Behandlungsdaten in Echtzeit. Ziel ist es, komplexe Abläufe zu vereinfachen und adaptive Strahlentherapie für mehr Patienten zugänglich zu machen.
Bei der adaptiven Strahlentherapie wird die Behandlung an Veränderungen der Anatomie angepasst. Dafür müssen Teams unter anderem neue Bilddaten auswerten und beurteilen, ob der Bestrahlungsplan weiterhin passt. Die Zusammenarbeit setzt an dem damit verbundenen Aufwand für Planung, Berechnung und Abstimmung an. Sie umfasst drei Entwicklungsfelder: KI in der Therapieplanung, digitale Patientensimulationen und Datenverarbeitung während der Behandlung.
KI soll Therapieoptionen vergleichbar machen
Nach der Ankündigung von NVIDIA untersuchen die Unternehmen den Einsatz der Nemotron-Modelle für die gemeinsame Planung durch Fachpersonal und KI. Diese Modelle sollen dabei helfen, individuelle Behandlungsstrategien zu bewerten und weiterzuentwickeln. Für patientenspezifische Dosisberechnungen ist die Kombination mit der beschleunigten Rechenplattform CUDA vorgesehen.
Arthur Kaindl, Leiter des Krebsbehandlungsgeschäfts Varian bei Siemens Healthineers, beschreibt die Anpassung der Therapie an den Patienten als Leitprinzip. Mit NVIDIA wolle das Unternehmen klinischen Teams mehr Geschwindigkeit und bessere Entscheidungsgrundlagen für personalisierte Behandlungen ermöglichen.
Siemens Healthineers erläutert, wie die Zusammenarbeit künftig aussehen könnte: Ein Strahlenonkologe formuliert klinische Ziele, während ein KI-Agent verschiedene Planungsoptionen untersucht und deren Vorzüge und Zielkonflikte aufbereitet. Die abschließende Prüfung und Freigabe des Behandlungsplans bleibt beim Fachpersonal.
Simulation und Behandlung enger verbinden
Ein zweiter Schwerpunkt sind digitale Patientenmodelle. Neue Bilddaten sollen solche Modelle im Behandlungsverlauf aktualisieren, damit Teams mögliche Anpassungen zunächst virtuell untersuchen können. Für die Verarbeitung von Bild-, Sensor- und Behandlungsdaten während einer Bestrahlung prüfen die Partner den Einsatz von NVIDIA Holoscan. Damit sollen Veränderungen schneller erkennbar und ihre Auswirkungen auf die Therapie besser bewertbar werden.
Die Unternehmen beschreiben Entwicklungsziele. Für die angekündigte Kombination nennen sie noch keine Ergebnisse zum klinischen Nutzen. Entscheidend für Kliniken wird sein, ob sich die Funktionen sicher in bestehende Abläufe integrieren lassen und den Aufwand für die Behandlungsteams tatsächlich verringern.
Das Beispiel macht die Anforderungen an eine solche Integration deutlich: Bildgebung, Dosisberechnung und Behandlungssystem müssen Informationen so austauschen, dass das Team sie im richtigen Moment nutzen kann. Schnellere Berechnungen allein lösen diese Aufgabe nicht. Auch die Übergabe zwischen einzelnen Arbeitsschritten muss nachvollziehbar bleiben. Für die Bewertung einer Anwendung zählt deshalb der gesamte Behandlungsablauf, vom neuen Bild bis zum freigegebenen Plan.
Intelligenten Medizintechnik
Die VDE DGBMT beschreibt diese Verbindung in ihrem Positionspapier zur vernetzten und intelligenten Medizintechnik als strukturellen Wandel. Aus Sicht der Fachgesellschaft gehören Interoperabilität, Sicherheit, klinische Evidenz und organisatorische Zuständigkeiten zusammen. Die Empfehlungen richten sich ausdrücklich an Hersteller, Krankenhäuser und Politik. Damit liegt die Verantwortung für eine funktionierende Einführung bei mehreren Beteiligten.
Für Beschaffungsentscheidungen ergibt sich daraus eine konkrete Frage: Welcher zusätzliche Nutzen entsteht im bestehenden klinischen System? Eine Demonstration kann zeigen, wie ein Agent Vorschläge erstellt. Im Versorgungsalltag müssen Teams auch erkennen können, auf welchen Daten diese beruhen, wie Änderungen überprüft werden und wer die Freigabe übernimmt. Je enger Planung und Behandlung zusammenrücken, desto wichtiger wird die Abstimmung zwischen klinischen und technischen Verantwortlichen.
Die angekündigte Kooperation ist damit auch ein Beispiel für eine breitere Entwicklung in der Medizintechnik: Rechenleistung und KI werden direkt mit der Vorbereitung und Steuerung von Behandlungen verbunden. Ihr praktischer Wert wird daran zu messen sein, ob Fachkräfte mit den zusätzlichen Informationen besser arbeiten können und ob personalisierte Verfahren mit vertretbarem Aufwand verfügbar werden.
Für ein Krankenhaus lässt sich die Aufgabe an einem konkreten Übergang verdeutlichen: Nach einer neuen Aufnahme soll ein veränderter Plan geprüft werden. Dafür muss erkennbar sein, welche Bilddaten verwendet wurden, welche Anpassung vorgeschlagen wird und wer sie freigibt. Genau solche Übergänge verbinden die klinische Entscheidung mit der technischen Integration.
Wie KI, Dateninfrastruktur und Medizintechnik in die Versorgung gelangen, gehört zu den Themen der ICT&health World Conference 2027, die vom 26. bis 28. Januar im MECC Maastricht stattfindet.
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