Trotz elektronischer Patientenakte (ePA), E-Rezept und Telematik-Infrastruktur sind die digitalen Behandlungswege im deutschen Gesundheitswesen an vielen Stellen nicht durchgängig miteinander verbunden. Patienten müssen Informationen wiederholt angeben, während Behandler zwischen verschiedenen Systemen wechseln und Daten mehrfach erfassen. Das erschwert die Kommunikation zwischen den Beteiligten und erhöht administrative Aufwände. KI-Agenten könnten in Zukunft dazu beitragen, die bestehenden digitalen Abläufe und Kommunikationskanäle besser miteinander zu verknüpfen.
Gesundheitspolitische Ausgangslage
Die im Februar 2026 vorgestellte Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie „Gemeinsam Digital 2026“ soll auf Versichertenseite zu signifikanten Verbesserungen bei der bundesweiten Nutzung der ePA führen. Die deutsche Bundesregierung möchte die ePA-App dabei als zentralen Zugang etablieren, über den Patienten zukünftig eine digitale Ersteinschätzung, Termine und ab September 2029 auch elektronische Überweisungen erhalten.
Mitte Juli 2026 hat das Bundeskabinett zudem den Gesetzentwurf für Daten und digitale Innovation, kurz GeDIG, beschlossen. Dieser soll die Nutzung von Gesundheitsdaten für die Versorgung, Forschung und Innovation sicherstellen. Seit Oktober 2025 befüllen Praxen, Kliniken und Apotheken in Deutschland die ePA-Akten der deutschen Patienten mit Dokumenten. Laut der gematik haben die deutschen Krankenkassen inzwischen 73 Mio. Akten angelegt.
ePA-Nutzung: Potenzial nach oben
Trotz dieser Fortschritte gibt es derzeit noch eine Diskrepanz zwischen verfügbaren Diensten und ihre realen Nutzung: So sind in Deutschland bisher erst 5,1 Mio. Versicherte mit einer GesundheitsID registriert. Die Digitalisierungsstrategie beabsichtigt jedoch, bis 2030 über 20 Mio. Versicherte zur aktiven Nutzung der ePA zu aktivieren. Aktuell stehen die verfügbaren digitalen Anwendungen im deutschen Versorgungsystem häufig noch nebeneinander – ohne durchgängigen Prozess.
Was KI-Agenten beitragen könnten
Laut einem auf Healthcare Digital veröffentlichten Gastbeitrag von Martin Kraft stellt künstliche Intelligenz zukünftig ein strategisches Mittel zur Entlastung und Effizienzsteigerung dar, besonders bei administrativen Aufgaben und Dokumentationsprozessen.
Darüber hinaus gehe es in Zukunft nicht nur darum, einzelne Systeme oder Kanäle um neue KI-Funktionen zu erweitern, argumentiert der Autor, sondern darum, Informationen und Arbeitsschritte über verschiedene Systeme hinweg zusammenzuführen. Insbesondere KI-Agenten könnten als verbindende Schicht die fragmentierten Informationen aus den Patientenakten und weiteren Kommunikationskanälen, Terminen und Überweisungen zielführend verknüpfen.
Die Qualität von KI im Gesundheitswesen würde sich zukünftig daran bemessen, wie „nahtlos“ Patienten ihre Gesundheitsversorgung erleben, so die These des Autors. Als Beleg für das Automatisierungspotenzial von KI führt er Zahlen des AI Adoption Benchmarkt Report 2026 aus seinem KI-Unternehmen DRUID AI an: Demnach verbleiben 87 Prozent aller Sprach- und Chat-Interaktionen von Patienten innerhalb der KI, während lediglich 13 Prozent eine manuelle Bearbeitung durch Mitarbeiter erfordern.
Nahtlose Versorgung sicherstellen
Eine besondere Herausforderung wird in diesem Zusammenhang die Berücksichtigung der sensiblen Gesundheitsdaten sein, die dem Schutz der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), der ärztlichen Schweigepflicht und je nach Anforderung auch dem EU AI Act unterliegen.
Für deutsche Gesundheitsdienstleister wird es daher zukünftig entscheidend sein, digitale Anwendungen nicht nur bereitzustellen, sondern sie auch nahtlos in die Versorgungsprozesse zu integrieren.
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