Charité macht KI zur zentralen Infrastruktur für die gesamte Klinik

Do, 17. September 2026 - 16:57
Charité macht KI zur zentralen Infrastruktur für die gesamte Klinik
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Die Charité – Universitätsmedizin Berlin führt mit Clé eine zentrale KI-Plattform für die gesamte Organisation ein. Nach einer erfolgreichen Testphase soll die Plattform schrittweise für die Mitarbeitenden geöffnet werden und KI-Anwendungen in Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung über eine gemeinsame, sichere Infrastruktur verfügbar machen. Damit geht die Charité einen wichtigen Schritt weg von einzelnen KI-Pilotprojekten hin zu einer institutionellen KI-Infrastruktur.

Clé wurde speziell für die Anforderungen der Universitätsmedizin entwickelt. Über die Plattform können unterschiedliche KI-Modelle und Anwendungen innerhalb einer kontrollierten Umgebung bereitgestellt werden. Die Charité betont dabei insbesondere Datenschutz, Informationssicherheit und den Betrieb unter eigener Verantwortung.

Der Ansatz ist relevant, weil Krankenhäuser zunehmend mit einer Vielzahl potenzieller KI-Anwendungen konfrontiert sind. Werden diese einzeln in verschiedenen Abteilungen eingeführt, entstehen schnell unterschiedliche technische Lösungen, Zugangswege und Governance-Strukturen. Eine zentrale Plattform kann dagegen die Grundlage schaffen, um KI organisationsweit kontrolliert bereitzustellen und neue Anwendungen systematischer zu integrieren.

Von einzelnen KI-Anwendungen zur gemeinsamen Plattform

Der bisherige Einsatz von KI im Gesundheitswesen ist häufig an konkrete Anwendungen gebunden. In der Radiologie kommen spezialisierte Algorithmen zum Einsatz, Forschungsgruppen arbeiten mit Machine-Learning-Modellen und in administrativen Bereichen werden zunehmend generative KI-Systeme erprobt. Für jedes einzelne System müssen dabei Fragen zu Datenschutz, Sicherheit, Zugriffsrechten und Integration geklärt werden.

Clé verfolgt einen anderen Ansatz. Statt die KI-Strategie an ein einzelnes Modell oder einen bestimmten Anbieter zu binden, schafft die Charité eine gemeinsame technische Umgebung, über die unterschiedliche Modelle und Dienste verfügbar gemacht werden können. Schnittstellen sollen zudem ermöglichen, weitere Anwendungen und Services anzubinden.

Gerade bei generativer KI kann diese Flexibilität wichtig werden. Ein Modell, das für wissenschaftliche Aufgaben geeignet ist, muss nicht automatisch die richtige Lösung für administrative Prozesse oder klinische Anwendungen sein. Eine zentrale Infrastruktur ermöglicht grundsätzlich, unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Anforderungen einzusetzen und gleichzeitig gemeinsame Vorgaben für Sicherheit und Nutzung zu etablieren.

Für ein Universitätsklinikum ist die Kontrolle über diese Infrastruktur besonders relevant. Die Charité verarbeitet hochsensible Patienten- und Forschungsdaten und muss neue KI-Anwendungen mit bestehenden Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit und medizinische Verantwortung verbinden.

Eine KI-Infrastruktur für Klinik, Forschung, Lehre und Verwaltung

Bemerkenswert ist auch die Breite des Ansatzes. Clé ist nicht ausschließlich als Plattform für klinische KI konzipiert. Die Infrastruktur soll Anwendungen in der Krankenversorgung ebenso unterstützen wie wissenschaftliche Forschung, Lehre und administrative Prozesse.

Damit wird KI zunehmend zu einer organisationsweiten digitalen Fähigkeit. Mitarbeitende können künftig auf geeignete KI-Werkzeuge zugreifen, während neue Modelle und Anwendungen über eine gemeinsame Infrastruktur integriert werden können. Nach Abschluss der Testphase wird der Zugang nun schrittweise erweitert.

Mit der technischen Bereitstellung allein ist die Implementierung allerdings nicht abgeschlossen. Je breiter KI innerhalb eines Krankenhauses verfügbar wird, desto wichtiger werden klare Regeln dafür, welche Systeme für welche Aufgaben eingesetzt werden dürfen, welche Daten verarbeitet werden können und wie Ergebnisse überprüft werden müssen. Auch die Verantwortung der Mitarbeitenden beim Einsatz von KI bleibt eine zentrale Frage.

Eine gemeinsame Plattform kann dabei helfen, solche Anforderungen organisationsweit konsistenter umzusetzen. Statt dass einzelne Kliniken, Institute oder Abteilungen jeweils eigene technische und organisatorische Lösungen entwickeln, können zentrale Rahmenbedingungen geschaffen werden, innerhalb derer unterschiedliche Anwendungen entstehen.

Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Prof. Heyo K. Kroemer, sieht eine sichere KI-Infrastruktur als wichtige Voraussetzung für die weitere digitale Transformation und zukünftige KI-gestützte Prozesse. Entscheidend wird nun sein, welche konkreten Anwendungen auf dieser Infrastruktur entstehen und welchen messbaren Nutzen sie im Klinikalltag, in der Forschung und in anderen Bereichen bringen.

Krankenhäuser werden zu Betreibern eigener KI-Infrastrukturen

Die Entwicklung an der Charité steht exemplarisch für eine neue Phase der KI-Implementierung im Gesundheitswesen. In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Diskussion häufig darauf, ob einzelne Algorithmen bestimmte Aufgaben besser oder schneller erledigen können. Mit zunehmender Verbreitung verschiebt sich die Herausforderung jedoch: Krankenhäuser müssen entscheiden, wie sie zahlreiche KI-Anwendungen dauerhaft, sicher und skalierbar in ihre digitale Architektur integrieren.

Dafür reicht die Beschaffung einzelner Produkte nicht aus. Benötigt werden technische Infrastrukturen, über die Modelle, Anwendungen und bestehende Informationssysteme miteinander verbunden werden können. Gleichzeitig müssen Zugriffsrechte, Monitoring, Datenschutz, Informationssicherheit und Verantwortlichkeiten geregelt werden.

In Europa kommt die regulatorische Entwicklung hinzu. Krankenhäuser müssen KI-Anwendungen unter anderem mit Datenschutzvorgaben und – abhängig vom jeweiligen Anwendungsfall – mit Anforderungen des AI Act und der Medizinprodukteregulierung in Einklang bringen. Eine zentrale Plattform löst diese regulatorischen Fragen nicht automatisch, kann aber eine gemeinsame technische und organisatorische Grundlage schaffen, um sie systematischer zu adressieren.

Damit stellt sich für Krankenhäuser zunehmend eine strategische Frage: Bleibt KI eine Sammlung einzelner Anwendungen verschiedener Abteilungen oder wird sie Bestandteil der zentralen digitalen Infrastruktur? Die Charité entscheidet sich mit Clé klar für den zweiten Weg.

Ob dieses Modell erfolgreich ist, wird sich letztlich nicht an der Zahl der verfügbaren KI-Modelle messen lassen. Entscheidend ist, ob daraus Anwendungen entstehen, die Versorgung, Forschung, Lehre oder administrative Prozesse nachweislich verbessern und gleichzeitig Sicherheit, Datenschutz und professionelle Verantwortung gewährleisten.

Mit Clé schafft die Charité dafür nun eine zentrale Grundlage. Der nächste Schritt besteht darin, aus der technischen Infrastruktur einen messbaren Nutzen für die gesamte Organisation zu entwickeln.

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