Der European Health Data Space, kurz EHDS, steht derzeit im Fokus der deutschen Gesundheitspolitik. Dabei geht es um die operative Umsetzung des beschlossenen europäischen Rechtsrahmens, der nun auch in Deutschland auf nationaler Ebene erfolgt, damit ein gemeinsamer europäischer Datenraum für Gesundheitsdaten bis 2030 entstehen kann.
Vor diesem Hintergrund hat das deutsche Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Februar unter dem Titel „Gemeinsam Digital 2026“ eine Weiterentwicklung seiner im März 2023 erstmals veröffentlichten Digitalisierungsstrategie vorgelegt.
Die aktualisierte Digitalstrategie zielt auf tiefgreifende Interoperabilität im EU-Gesundheitswesen, indem sie vernetzte Gesundheitsdaten, KI-gestützte Abläufe und europäische Zusammenarbeit ins Visier nimmt.
Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick
Geplant ist unter anderem, dass die ePA bis 2030 von mehr als 20 Mio. Deutschen aktiv genutzt wird. Überdies soll der elektronische Versand und Austausch von Arztbriefen ab Ende 2027 zum Standard werden. Zudem möchte das BMG bis 2028 die KI-gestützte Dokumentation in mehr als 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen einführen.
Der Ausbau des Forschungsdatenzentrums (FDZ) für Gesundheit steht ebenfalls an: Dieses ermöglicht wie bisher den zentralen Zugriff auf deutsche Gesundheitsdaten und soll bis zum Jahresende an mindestens 300 Forschungsprojekten beteiligt werden, zukünftig dann mit KI-Unterstützung.
Weiterhin plant die deutsche Regierung Testumgebungen, in denen Gesundheitseinrichtungen und Entwickler die neuen KI-Anwendungen geschützt ausprobieren können.
Länderübergreifender Datenaustausch
Damit die Einbettung in den EU-Gesundheitsdatenraum gelingen kann, müssen die Gesundheitsdaten aus der elektronischen Patientenakte (ePA) über Systeme und Einrichtungen hinaus zugänglich und für die Gesundheitsversorgung und Forschung europaweit nutzbar gemacht werden. Diese Verschiebung von isolierter Datenhaltung in Silos hin zu vernetzten Datenräumen bringt verschiedene Herausforderungen mit sich.
So steigen mit der Vernetzung der sensiblen Gesundheitsdaten etwa die Anforderungen an die Sicherheitsarchitektur: Bisher waren IT-Sicherheitskonzepte an einzelne Systeme und Anwendungen gebunden. In einem interoperablen Gesundheitsökosystem wie dem EHDS braucht es dagegen eine übergreifende Steuerung von Identitäten und Zugriffsrechten, die sogenannte „Identity Governance“.
Sicherheit im EU-Gesundheitsdatenraum
Damit die Regierung gewährleisten kann, dass die sensiblen Gesundheitsdaten im EHDS nicht nur verfügbar sind, sondern auch kontrolliert nutzbar und damit geschützt bleiben, lässt sie Identität, Kontext und Berechtigungen kontinuierlich prüfen. Patienten sollten in diesem Zuge eine bessere Kontrolle über ihre Daten erhalten.
Neben dem sicheren, standardisierten Austausch von Patientendaten zwischen medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen sowie der Forschung wird die ePA zukünftig weitere digitale Dienste freischalten, wie elektronische Überweisungen, integrierte Terminplanung, Check-in-Funktionen und digitale Triage. Für Ärzte und medizinisches Fachpersonal kommt der mobile Datenzugriff neu dazu.
Mit den Beschlüssen aus der aktualisierten Digitalstrategie legt das deutsche Gesundheitsministerium nicht nur einen Fahrplan vor, der die nationale Telematik-Infrastruktur vereinfacht und die Rolle der gematik stärkt. Es forciert auch den breiten Einsatz von KI und eine zunehmend datengetriebene Steuerung auf der Basis internationaler Standards und strukturierter Daten.
Als Europas größter Gesundheitsmarkt setzt Deutschland damit wichtige Impulse innerhalb der EU – insbesondere, indem das Land die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten stärkt.
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