Die technischen Voraussetzungen für vernetzte Medizintechnik sind weitgehend vorhanden, doch die Umsetzung im Klinikalltag bleibt hinter den Erwartungen zurück. Trotz bestehender Interoperabilitätsstandards verhindern technische, organisatorische und finanzielle Hürden eine flächendeckende Einführung. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik (VDE DGBMT) hin und fordert ein gemeinsames Vorgehen von Herstellern, Krankenhäusern und Politik zur Förderung interoperabler und sicherer Medizintechnik.
Nach Angaben der VDE DGBMT wird die Integration vernetzter Medizintechnik unter anderem dadurch erschwert, dass viele Medizinprodukte noch herstellerspezifische Schnittstellen verwenden. Zudem fehle häufig eine konsequente Umsetzung der semantischen Interoperabilität. Auch Konzepte für Cybersicherheit und das Lebenszyklusmanagement seien bislang nicht ausreichend entwickelt.
Weitere Faktoren
Neben den technischen Herausforderungen spielen auch organisatorische und wirtschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle. In vielen Krankenhäusern sind die Zuständigkeiten für Medizintechnik und Informationstechnologie weiterhin voneinander getrennt. Gleichzeitig leiden die Einrichtungen unter einem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal und fehlenden Finanzierungsmodellen, um die erforderlichen Investitionen in die vernetzte Versorgung zu ermöglichen.
Um die Umsetzung zu beschleunigen, richtet die VDE DGBMT konkrete Empfehlungen an alle beteiligten Akteure. Hersteller sollten offene, auf internationalen Standards basierende Schnittstellen entwickeln – auch dann, wenn die Nachfrage seitens der Anwender noch begrenzt ist. Darüber hinaus sollten sie Security-by-Design konsequent umsetzen und netzwerkgebundene sowie KI-gestützte Funktionen klinisch validieren.
Interoperabilität als Beschaffungskriterium
Krankenhäusern empfiehlt die VDE DGBMT, Interoperabilität und Netzwerkfähigkeit als verbindliche Beschaffungskriterien zu etablieren. Darüber hinaus sollten Governance-Strukturen für Medizintechnik und IT gestärkt sowie Pilotprojekte mit klar definierten und messbaren klinischen Endpunkten durchgeführt werden.
Nach Auffassung der VDE DGBMT sind außerdem gemeinsame Integrationsprojekte, klar geregelte Verantwortlichkeiten und standardisierte Testverfahren erforderlich, um die Einführung vernetzter Medizintechnik im Gesundheitswesen voranzubringen. Von der Politik fordert die Fachgesellschaft unter anderem die verbindliche Förderung internationaler Interoperabilitätsstandards sowie Investitionen in digitale Infrastrukturen und Qualifizierungsprogramme.
Referenzen
Impulspapier (VDE)
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