Das europäische EXIT-CVD-Konsortium startet ein fünfjähriges Forschungsprogramm zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 42 öffentliche und private Partner aus 17 Ländern führen 22 klinische Studien mit mehr als 14.000 Patienten durch. In diesem Monat beginnen die ersten Patienten mit der Teilnahme an den Studien. Ziel des Projekts ist es, eine Verschlechterung des Gesundheitszustands von Herzpatienten früher zu verhindern oder zu verlangsamen. Dazu sollen Erkrankungen früher erkannt, Behandlungen personalisiert und Interventionen für verschiedene Phasen der kardiovaskulären Versorgung entwickelt werden.
Mehr als 60 Millionen Menschen in der Europäischen Union leben mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Nach Einschätzung des EXIT-CVD-Konsortiums können sich diese Erkrankungen ohne Früherkennung, rechtzeitige Diagnose und angemessene Behandlung schrittweise entwickeln: von Risikofaktoren über eine diagnostizierte Erkrankung bis hin zu kardiovaskulären Ereignissen. EXIT-CVD will deshalb an drei Punkten des Krankheitsverlaufs ansetzen: bevor eine Erkrankung entsteht, während sie sich entwickelt und wenn sie bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat.
Drei Phasen
Die erste Phase, Early Exit, konzentriert sich auf die Prävention und Früherkennung von Erkrankungen. Dabei spielt die digitale Überwachung eine wichtige Rolle. Bei Mid Exit steht die Verlangsamung des Krankheitsfortschritts im Mittelpunkt. Die Forschenden untersuchen unter anderem personalisierte Risikobewertungen und gezielte Interventionen. Late Exit richtet sich an Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen. Innovative Therapien sollen die Genesung unterstützen und einer weiteren Verschlechterung entgegenwirken.
Der Ansatz verbindet Diagnostik, digitale Hilfsmittel und therapeutische Anwendungen. Das Konsortium will auf dieser Grundlage wissenschaftlich fundierte Strategien entwickeln, die sich in unterschiedlichen europäischen Gesundheitssystemen einsetzen lassen.
22 klinische Studien
Die erste der insgesamt 22 klinischen Studien beginnt in diesem Monat. Insgesamt sollen mehr als 14.000 Patienten in die Untersuchungen einbezogen werden. In der CARDIO-CAM-Studie wird ein videobasiertes Monitoringsystem im Krankenhaus untersucht. Das System erfasst kontinuierlich kardiorespiratorische Signale sowie relevante klinische Kontextinformationen.
Die LEADER-PAD-Studie befasst sich mit der spektralen Computertomografie (CT) zur Früherkennung, Risikostratifizierung und Entwicklung personalisierter Versorgungspfade. Untersucht werden sowohl asymptomatische Patienten als auch Patienten mit Symptomen, bei denen ein geringes Risiko besteht.
Die REMODEL-HF-Studie untersucht die Fernüberwachung von Patienten mit Herzinsuffizienz. Es handelt sich um eine multinationale randomisierte Studie mit Patienten, die kürzlich wegen einer Herzinsuffizienz stationär behandelt wurden. Die Forschenden prüfen, ob sich durch diesen Ansatz die Behandlungsergebnisse verbessern und die Therapie stärker an den geltenden Leitlinien ausrichten lässt.
In der GUIDANCE-PCCT-Studie werden perkutane Koronarinterventionen (PCI) untersucht, die mithilfe der Photon-Counting-CT gesteuert werden. Die Ergebnisse werden mit PCI-Verfahren verglichen, die auf einer konventionellen Angiografie basieren.
Die NOTIFY-2-Studie untersucht KI-gestützte Algorithmen zur Bild- und EKG-Analyse bei infiltrativen Kardiomyopathien. Ziel ist es, die Früherkennung einer linksventrikulären Hypertrophie zu verbessern und das Risiko zugrunde liegender Erkrankungen genauer einzuschätzen.
Technologien zugänglicher machen
EXIT-CVD befasst sich auch mit Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheitsversorgung und medizinischen Technologien. Neue diagnostische Verfahren und digitale Hilfsmittel kommen laut dem Konsortium häufig zunächst Bevölkerungsgruppen zugute, die über ausreichende finanzielle und andere Ressourcen verfügen. Dadurch können bestehende Unterschiede beim Zugang zur Versorgung und bei den Gesundheitsergebnissen weiter zunehmen.
Das Projekt will deshalb Ansätze aus der Implementierungsforschung und das Prinzip Equity by Design berücksichtigen. Die entwickelten Lösungen sollen skalierbar, nachhaltig und für relevante Bevölkerungsgruppen zugänglich sein. Dazu zählen auch Menschen, die in der Vergangenheit nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung hatten.
Eine digitale Datenplattform, die den FAIR-Prinzipien entspricht und an den Europäischen Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space, EHDS) anschließt, soll die Integration und Evaluation der Innovationen unterstützen. Sie soll zudem dazu beitragen, die neuen Ansätze in die klinische Routine zu überführen.
42 Partner aus 17 Ländern
EXIT-CVD ist eine öffentlich-private Partnerschaft mit 42 Partnern aus 17 Ländern. Geleitet wird das Konsortium vom Universitätsklinikum Groningen (UMCG) und Philips. Beteiligt sind klinische und akademische Einrichtungen, Technologie- und Pharmaunternehmen, Gesundheitsberatungen, eine Patientenorganisation sowie die European Society of Cardiology (ESC).
Die Niederlande sind unter anderem durch das Universitätsklinikum Utrecht (UMC Utrecht), das Universitätsklinikum Groningen und die Technische Universität Eindhoven vertreten. Zu den internationalen Partnern gehören Organisationen aus Spanien, Italien, der Schweiz, Belgien, Polen, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Finnland.
Zu den Industriepartnern zählen unter anderem Philips, GE HealthCare, Siemens Healthineers, Medtronic, Huawei, AstraZeneca, Novartis, Sanofi und Johnson & Johnson MedTech Heart Recovery. Das Gesamtbudget des Projekts beträgt 27,6 Millionen Euro. Finanziert wird es unter anderem durch die Europäische Union im Rahmen der Initiative Innovative Health Initiative (IHI) sowie durch Industriepartner.
Europäisches COMBINE-CT-Projekt
Der Einsatz von KI und fortschrittlicher Bildgebung in der kardiovaskulären Versorgung ist auch Gegenstand des europäischen COMBINE-CT-Projekts, über das wir Ende August berichtet haben. Dabei werden CT-Bildgebung, künstliche Intelligenz und interventionelle Verfahren kombiniert und klinisch validiert, um einen integrierten Versorgungspfad für Patienten mit koronarer Herzkrankheit zu entwickeln.
Wie EXIT-CVD wird auch dieses Projekt im Rahmen der Innovative Health Initiative der Europäischen Union mitfinanziert.
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