Das Forschungsprojekt DigiNet wurde Ende September 2026 in Köln mit dem erstmals vergebenen Preis für Forschung mit versorgungsnahen Daten in der Onkologie ausgezeichnet. Die deutschen Organisationen ADT und DNVF würdigten damit den Beitrag des Projekts zur digital vernetzten, personalisierten Versorgung von Menschen mit Lungenkrebs. In drei deutschen Modellregionen arbeiteten spezialisierte Zentren, Krankenhäuser, onkologische Praxen und Patienten zusammen, um die Umsetzung molekular basierter Therapien zu unterstützen und die Versorgungsergebnisse zu untersuchen.
DigiNet erhielt den ‘Preis für Forschung mit versorgungsnahen Daten in der Onkologie’. Die Auszeichnung wird von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT) und dem Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) vergeben. Beide Organisationen würdigen innovative Forschungsprojekte, die versorgungsnahe Daten nutzen, um die onkologische Versorgung weiterzuentwickeln.
Der Preis wurde 2026 erstmals verliehen. Aus mehr als 30 Bewerbungen wählte die Jury zwei Projekte aus. DigiNet war eines davon. Die Preisverleihung fand am 23. September 2026 auf dem Deutschen Kongress für Versorgungsforschung in Köln statt. Dr. Anna Kron, Leiterin der DigiNet-Geschäftsstelle, und Prof. Dr. Jürgen Wolf, Leiter des Schwerpunktes Lungenkrebs an der Uniklinik Köln und Sprecher des Nationalen Netzwerks Genomische Medizin (nNGM), nahmen die Auszeichnung entgegen.
Digitale Zusammenarbeit
DigiNet baute auf der im nNGM Lungenkrebs etablierten präzisionsonkologischen Versorgung auf. Das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Projekt lief von Oktober 2021 bis September 2025. Es wurde in drei Modellregionen durchgeführt: Nordrhein-Westfalen, Berlin und Sachsen.
Ziel war es, die an der Behandlung beteiligten spezialisierten Zentren, Krankenhäuser und onkologischen Praxen digital miteinander zu vernetzen. Auch die Einbindung der Patienten spielte eine zentrale Rolle. Erstmals waren Patienten selbst Projektpartner und durch eine eigene Arbeitsgruppe vertreten, die von der Patientenorganisation ZielGENau e. V. repräsentiert wurde. DigiNet sollte die Umsetzung molekular basierter Therapien über die Grenzen verschiedener Versorgungsbereiche hinweg unterstützen. Darüber hinaus untersuchte das Projekt die Versorgung von Menschen mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) unter Alltagsbedingungen.
Studie mit 924 Patienten
DigiNet wurde als prospektive, multizentrische Kohortenstudie mit 924 Patienten durchgeführt. Während des gesamten Behandlungszeitraums erfassten die Forschenden unter anderem Daten zur Umsetzung von Therapien auf Grundlage molekularpathologischer Befunde, zur Wirksamkeit der Behandlungen und zum Wohlbefinden der Patienten. Die erhobenen Daten sollten dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit Lungenkrebs weiterzuentwickeln. Die Auswertung zeigt, dass Patienten in der digital unterstützten, vernetzten onkologischen Versorgung signifikant länger lebten als eine Vergleichsgruppe aus der Regelversorgung.
Entwicklungen im Ausland
Die Bedeutung einer datenbasierten Krebsversorgung geht weit über einzelne Forschungsprojekte hinaus. Neue Ansätze zur Verknüpfung klinischer Daten, genetischer Analysen und bildgebender Verfahren eröffnen neue Möglichkeiten, Krebserkrankungen besser zu verstehen und personalisierte Behandlungen weiterzuentwickeln. Wie eine Open-Source-Datenbank komplexe Krebsdaten zusammenführt, lesen Sie im Beitrag auf ICT&health Global.
Auch in den Niederlanden gewinnt die digitale Vernetzung in der Krebsversorgung an Bedeutung. Regionale Onkologienetzwerke arbeiten gemeinsam daran, den Austausch medizinischer Daten zu verbessern und Behandlungen besser auf die Bedürfnisse der Patienten abzustimmen. Mehr über diese Entwicklung lesen Sie im Beitrag über das landesweite Netzwerk Oncologienetwerken Nederland.
Referenzen
Uniklinik Köln
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