6G-Netzwerke können die Kapazität der Telemedizin um 40 Prozent erhöhen

Mi, 10. Juni 2026 - 13:00
6G-Netzwerke können die Kapazität der Telemedizin um 40 Prozent erhöhen
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Zukünftige 6G-Netzwerke können der Telemedizin und anderen digitalen Gesundheitsanwendungen einen wichtigen Impuls geben. Forscher der Technischen Universität München (TUM) und des TUM-Krankenhauses haben eine Methode entwickelt, mit der medizinische Anwendungen intelligenter über ein Netzwerk verteilt werden können. Laut Simulationen ermöglicht dieser Ansatz, bis zu 40 Prozent mehr medizinische Anwendungen gleichzeitig laufen zu lassen, selbst wenn die Netzwerkkapazität und Rechenleistung begrenzt sind.

Anwendungen wie Telemedizin, kontinuierliches Patientenmonitoring und Fernversorgung werden immer wichtiger. Um diese sicher und zuverlässig im Alltag einsetzen zu können, müssen Daten ohne Verzögerung und Unterbrechungen verarbeitet werden. Besonders bei Anwendungen wie Teleoperationen können Störungen oder Verzögerungen große Auswirkungen haben.

Rechenleistung intelligent verteilen

Die Forschung konzentriert sich auf die Frage, wo medizinische Anwendungen am besten ausgeführt werden können. Dies kann in der Nähe des Patienten, innerhalb des Krankenhauses, an einem nahegelegenen Netzknotenpunkt oder in einem externen Rechenzentrum geschehen.

Die Verarbeitung in der Nähe des Patienten begrenzt Verzögerungen und verbessert die Leistung. Gleichzeitig können lokale Systeme überlastet werden, wenn alle Anwendungen dort untergebracht werden. Die Forscher entwickelten daher eine Methode, die kontinuierlich bestimmt, wo Anwendungen am effizientesten ausgeführt werden können, abhängig von den verfügbaren Netzwerk- und Rechenressourcen.

„Für medizinische Anwendungen reicht es nicht aus, Daten so schnell wie möglich von A nach B zu transportieren“, sagt Wolfgang Kellerer, Professor für Kommunikationsnetze an der Technischen Universität München. „Zukünftige Netzwerke müssen bestimmen können, wo Rechenleistung benötigt wird, welche Anwendungen Priorität haben und wann Funktionen innerhalb des Netzwerks verlagert werden müssen.“

Laut den Forschern kann dieser Ansatz die Nutzung zukünftiger 6G-Netzwerke erheblich verbessern. Die Ergebnisse wurden auf der IFIP Networking 2026 Conference in Lugano, Schweiz, präsentiert.

Neue Möglichkeiten für das Gesundheitswesen

6G-Netzwerke werden um 2030 erwartet und sollen einen großen Fortschritt gegenüber 5G darstellen. Neben deutlich höheren Geschwindigkeiten und einer nahezu vernachlässigbaren Latenz wird Künstliche Intelligenz ein integraler Bestandteil der Netzwerkinfrastruktur. Auch werden zukünftige Netzwerke sogenannte Sensing-Fähigkeiten erhalten, mit denen Objekte und Bewegungen wahrgenommen werden können.

Für den Gesundheitssektor eröffnet dies neue Möglichkeiten. Denken Sie an kontinuierliches Monitoring von Patienten über drahtlose Sensoren und Wearables, KI-gesteuerte digitale Zwillinge von Patienten, holografische Konsultationen und Telechirurgie, bei der Spezialisten aus der Ferne mit roboterunterstützter Hilfe operieren.

Die extrem niedrigen Latenzen, die 6G ermöglicht, sind dabei essenziell. Bei Anwendungen wie Roboterchirurgie oder Echtzeit-Entscheidungsunterstützung kann selbst eine minimale Verzögerung die Qualität und Sicherheit der Versorgung beeinflussen.

Deutsche Investitionen in 6G

Auch in Deutschland wird an der Entwicklung von 6G-Technologie gearbeitet. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Future Network Services (FNS)-Konsortium. Dieses nationale Kooperationsbündnis bringt Telekommunikationsanbieter, technische Universitäten, Forschungsinstitute wie TNO und innovative KMU zusammen.

Das Konsortium arbeitet an zuverlässigen, energieeffizienten und intelligenten Netzwerken, die um 2030 verfügbar sein sollen. Dabei wird nicht nur auf Datenkommunikation geachtet, sondern auch auf Sensing-Funktionalität, bei der mobile Netzwerke auch als eine Art Radar fungieren können.

Für die zweite Phase des Programms hat der Nationale Wachstumsfonds 142 Millionen Euro bereitgestellt. Die teilnehmenden Organisationen investieren zusätzlich gemeinsam weitere 72 Millionen Euro. Im Rahmen des Programms wurde bereits ein nationales 6G-Testfeld eingerichtet, unterstützt von fünf regionalen 6G-Fieldlabs, in denen neue Anwendungen entwickelt und getestet werden.

Obwohl die kommerzielle Einführung von 6G noch einige Jahre auf sich warten lässt, zeigt die deutsche Forschung, welche Rolle diese Technologie in Zukunft als Fundament für zuverlässige, skalierbare und digital unterstützte Gesundheitsversorgung spielen kann.

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